Von der Veränderung profitieren

Guido Reinking: Derzeit ist das Thema CO2 ganz oben auf der Agenda und das bedeutet, dass eigentlich massiv in den Verbrennungsmotor investiert werden müsste. Geschieht das in dem Umfang, der nötig ist, um CO2 zu reduzieren?

Dr. Stefan Wolf: Aus meiner Sicht ja, es wird allerdings nicht so richtig in die Öffentlichkeit transportiert. Der Verbrennungsmotor hat noch enormes Entwicklungspotenzial. Dabei gilt wieder die einfache Formel, den Verbrauch senken = CO2 reduzieren und hier wird schon viel von Seiten der Fahrzeughersteller getan. Wir können an dieser Stelle wichtige Beiträge leisten.

Guido Reinking: Was können Sie in Sachen CO2-Reduzierung denn tun?

Dr. Stefan Wolf: Mit innovativer Dichtungstechnologie und mit thermischen Abschirmteilen tragen wir zur Downsizing-Technologie bei. Downsizing heißt, Motoren werden leichter, kleiner und effizienter. Die Zünddrücke steigen und die Motoren werden mit Turboladern hoch aufgeladen. Damit wird alles heißer im Fahrzeug. Wir können hier innovative Lösungen einbringen, um hitzeempfindliche Teile abzuschirmen. Zudem ersetzen wir schwere Metallteile durch leichte Kunststoffteile, um über das Gewicht den Verbrauch zu reduzieren und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. Beispiele hierfür sind Ventilhauben, Motor- und Getriebe-Ölwannen, Lagerschilddeckel und Seitenabdeckungen. In Summe bietet die Substitution von Metall durch Kunststoff bei diesen Teilen eine nicht unwesentliche Gewichtseinsparung.

Guido Reinking: Noch mal zum Verbrennungsmotor. Die Abgasgrenzwerte werden dort ja ständig verschärft, wir haben jetzt Euro-5 und als nächstes kommt Euro-6. Können Sie die Hersteller auch in diesem Punkt unterstützen?

Dr. Stefan Wolf: Ja, wir sind da mit unserer Dichtungstechnologie im Motor und Abgassystem und mit Komponenten für SCR-Abgasnachbehandlung zur Stickoxidreduzierung mit von der Partie. Dies bietet uns im Übrigen auch Potenzial in China, Indien und anderen asiatischen Ländern, die ebenfalls entsprechend anspruchsvolle Grenzwerte definiert haben.

Guido Reinking: Ein zweites Thema, das sehr in der Öffentlichkeit steht, ist die Elektromobilität. Stellt dies für einen Zulieferer, der Teile für den Verbrennungsmotor herstellt, nicht auch eine Bedrohung dar?

Dr. Stefan Wolf: Ich glaube, dass reine Elektrofahrzeuge in den nächsten 20 Jahren eine Nischenanwendung für den Stadtverkehr in den Großstädten bleiben, der Verbrennungsmotor wird weiterhin dominieren. Wir gehen aber davon aus, dass ein gewisser Anteil an Elektromobilen, vor allem aber Hybridfahrzeuge, mittelfristig kommen werden. Der Einstieg in die Elektromobilität ist uns mit dem Thema Batteriekomponenten gelungen. Wir haben verschiedene Teile für Lithium-Ionen-Batterien entwickelt, unter anderem Zellverbindungskomponenten und Leiterrahmen. Auch unser Geschäftsbereich Abschirmtechnik ist im Moment dabei, entsprechende Produkte zu entwickeln.

Guido Reinking: Das Brennstoffzellenauto ist ja auch ein Elektroauto, das wird nur immer wieder vergessen. Die Brennstoffzelle ist ja eigentlich lediglich ein Range-Extender, denn es wird beim Elektroauto immer um die Reichweite gehen. Wie sehen Sie das?

Dr. Stefan Wolf: Die Reichweite ist ein Schlüsselthema, auch deswegen betreiben wir seit 2000 in Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern intensive Brennstoffzellen-Forschung. Aus heutiger Sicht kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, wie das Antriebskonzept der Zukunft in 15 bis 20 Jahren letztendlich aussehen wird. Deswegen ist es unverzichtbar, für alle Antriebstechnologien aufgestellt zu sein, und diesen Weg verfolgen auch die meisten Fahrzeughersteller. In der Brennstoffzellentechnologie haben wir viele zukunftsweisende Patente. Wir sind Lieferant für Prototypenteile, fertigen Bipolarplatten in Kleinserien und arbeiten an kompletten Stacks, die als Power Units in Fahrzeugen, aber auch für stationäre Anwendungen, vorgesehen sind.